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ISBN/EAN: 978-3-690-90471-1
Format: EPUB
DRM: Nicht vorhanden
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Auflage:
2. Auflage 2026
Erschienen am:
Sprache:
Deutsch
Umfang:
1.86 MB
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Die Reben im Sturm

eBook - Ein bewegender historischer Liebesroman aus der Zeit des Aufbruchs, Die Winzerfrauen-Saga, Überarbeitete Ausgabe, Überarbeitete Ausgabe

7,99 €
inkl. MwSt.

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Beschreibung

Ein bewegender Roman über Liebe, Verlust und Neubeginn in einer Zeit des Umbruchs – vor der malerischen Kulisse der Moselweinberge.
Der tiefgründige erste Band der Winzerfrauen-Saga von Elisabeth Marienhagen

Mosel, 1913. Zwischen Weinbergen, harter Arbeit und großen Träumen wächst die junge Magdalena Scholtes auf – Tochter einer Winzerfamilie, die das Gasthaus Zur Blauen Forelle führt. Ihr Herz gehört seit Kindertagen dem Nachbarssohn Matthias, der inzwischen als Ingenieur studiert und in der Stadt ein neues Leben begonnen hat.

Als Matthias mit einer eleganten Verlobten an seiner Seite ins Dorf zurückkehrt, zerbricht Magdalenas Hoffnung und doch verbindet sie bald ein unerwarteter Briefwechsel über die Grenzen des Krieges hinweg.

Während Europa in den Strudel des Ersten Weltkriegs gerät, muss Magdalena nicht nur um ihre Familie und das Weingut kämpfen, sondern auch um sich selbst. Wird sie den Mut finden, ihr eigenes Glück zu wagen – gegen alle Konventionen und trotz eines Schicksals, das sie längst verloren glaubte?

Dies ist eine überarbeitete Neuausgabe des bereits erschienenen Titels Jahre des Aufbruchs.

Erste Leser:innenstimmen
„Ein bewegender historischer Roman mit fesselnder Geschichte. Ich konnte das Buch nicht mehr weglegen.“
„Elisabeth Marienhagen schafft es, die Kriegsstimmung der Zeit perfekt einzufangen. Absolut lesenswert!“
„Mitreißend, stimmungsvoll und einfühlsam erzählt!“
„Ein berührender und gut recherchierter Liebesroman in der wunderschönen Mosel-Gegend.“

Leseprobe

Magdalena

31. Dezember 1913

Wasser plätscherte. Ein Bach glitzerte im Sonnenschein, Schmetterlinge flatterten um Magdalena herum und raschelnde Zweige wisperten ihren Namen. Anfangs leise.

„Lenchen, aufstehen!“

Verschlafen öffnete sie ihre Lider.

„Wird’s bald!“ Die mahnende Stimme der Magd, mit der Magdalena die Kammer teilte, riss sie endgültig aus ihrem Traum. Gähnend schlug sie das dicke Federbett zur Seite und fuhr mit ihren bestrumpften Füßen in die Filzpantoffeln. Ihre Großmutter hatte trotz ihrer schlechten Augen bis zuletzt unermüdlich gesponnen, gestrickt oder Wolle gewalkt. Jeden Morgen war Magdalena ihr im Nachhinein dafür dankbar, sonst würden ihr glatt die Zehen abfrieren, so kalt war es in dem unbeheizten Raum. Hastig stieg sie in den wadenlangen, dunkelbraunen Wollrock, schloss den Knopf am Bündchen und streifte ihre Strickjacke über. Im Schlafzeug nach unten oder gar raus auf den Hof rennen, wo jemand von der Straße sie hätte sehen können, war für ein Mädchen von fast fünfzehn streng verboten.

„Guten Morgen, Berta.“ Die mollige Magd war im Lauf der letzten vier Jahre so etwas wie eine Wahlschwester für sie geworden.

„Guden Morjen, Lenchen. Ausgeschlofn?“ Mit nacktem Oberkörper stand Berta im Zimmer vor dem Waschtisch und seifte sich die Achseln ein.

„Wie denn? Kaum sind die Augen zugefallen, heißt es auch schon raus aus den Federn.“ Magdalena eilte zu der Tür der kleinen Kammer, öffnete sie einen Spalt und lugte hinaus auf den Gang. Zum Glück war kein männliches Wesen in Sicht, das einen Blick auf Bertas blanke Brüste erhaschen konnte.

Magdalena schlüpfte aus dem Zimmer hinaus in den Flur. Fest drückte sie gegen das Türblatt, lauschte auf das Einrasten des Schlosses und die Geräusche im Haus. Die Mutter hatte gewiss schon Feuer im Ofen gemacht und würde das Frühstück vorbereiten, während der Vater mit den beiden Knechten Pferde und Vieh versorgte.

In der Schlafkammer ihrer beiden älteren Brüder rumorte es auch. Da tappte einer bereits durch das Zimmer. Sie hörte ein herzhaftes Gähnen. Rasch lief Magdalena die Stufen hinunter. Auf dem oberen Treppenabsatz stand der Eimer, der vor allem im Winter heiß begehrt war, weil keiner bei Minusgraden hinaus auf den Lokus gehen wollte.

Ein Anflug von Neid auf die reichen Verwandten in Trier erfasste Magdalena. Von einem derartigen Luxus wie einer Wassertoilette mit Spülkasten konnte sie nur träumen. Oh, was für eine Wonne wäre das! Einfach an der Kette des Spülkastens ziehen und alles Lästige verschwand in der Kanalisation. Bei ihnen gab es stattdessen den Misthaufen mit dem Toilettenhäuschen daneben und den Eimer auf dem Treppenabsatz.

Heiner, ihr jüngerer Bruder, würde sie vorlassen. Während Lorenz, der ältere … Schon quietschte oben die Türangel. Rasch raffte sie Rock und Nachtgewand am Saum bis zu den Knien hoch und lüftete den Deckel des Eimers. Puh, wie das stank. Reinschauen würde sie nicht, schlimm genug, dass sie ihn nachher leeren musste. Jemand polterte die Stufen hinunter und drängte sie rüde zur Seite.

„Weg da!“, schnauzte Lorenz sie an.

„Aber ich war zuerst hier!“

„Ja und.“ Breitbeinig und grinsend stand Lorenz da.

„Du Orsch!“, brach es zornig aus ihr heraus und in einer Sprache, die er verstand.

Er lachte nur. Gegen ihn hatte Magdalena keine Chance, das wusste sie aus bitterer Erfahrung. Er würde mit Absicht trödeln. Wütend drängte sie an ihrem dummen Bruder vorbei, lief die Holztreppe hinab und sah ihre Mutter an dem Emailleherd werkeln. Großmutter Frieda hatte gleich daneben auf dem offenen Feuer gekocht. Töpfe am Dreibein oder zum Wärmen der Speisen mit Haken an die Ketten gehängt, die vom großen Kamin herabhingen. Nach ihrem Tod überlegten Magdalenas Eltern, die Mauern der alten Kochstelle abzureißen und die große gusseiserne Takenplatte, die darüber hing, wegzumachen. Früher hatte sie die Wand vor Fettspritzern bewahrt und zudem Wärme an die dahinter liegende Stube weitergeleitet. Sie war das Reich ihrer Großmutter gewesen. Doch seit das offene Feuer erloschen war, hatte die große Eisenplatte keinen Nutzen mehr. Hübsch wie ein Bild sah sie aber aus mit den üppigen eingearbeiteten Verzierungen und gusseisernen Girlanden.

„Guten Morgen, Mama.“

„Den wünsch ich dir auch.“ Die Mutter wandte kurz den Kopf.

Schnurstracks rannte Magdalena vom mollig warmen Raum durch den Flur, vorbei an Stube und Wohnzimmertür Richtung Hauseingang. Dort tauschte sie ihre Pantoffeln gegen die Schnürschuhe, deren Bändel sie rasch in den Schaft stopfte. Jetzt fehlte nur noch ihre dicke Winterjacke, die an einem der Wandhaken hing.

***

Draußen war es noch dunkel und am Himmel blinkten Sterne. Bitterkalte Luft schlug Magdalena entgegen, aber dank der Straßenlaterne vor dem Haus konnte sie den Weg recht gut erkennen. Die Blaue Forelle, die Gastwirtschaft ihrer Eltern, die an das Wohnhaus angebaut war, lag um die Zeit still und verlassen da.

Magdalena hastete auf den Misthaufen und das gut gelüftete Holzhäuschen bei der Jauchegrube zu. Zu keiner Jahreszeit ein angenehmer Ort. Im Winter war zwar der Geruch besser auszuhalten, dafür musste sie aufpassen, nicht an dem Abtritt festzufrieren.

Ihre Zähne klapperten aufeinander. Zum Glück machte ihr den Platz auf dem Abort keiner streitig. Ungeduldig raffte sie Rock und Nachthemd hoch und entblößte ihre Beine. Eisige Luft strich unangenehm um ihr linkes Knie. Der Strumpf war abgerutscht und eins der Bänder ihres Leibchens baumelte locker herunter. Suchend tastete sie nach dem Befestigungsknopf am Bündchen. So ein Elend, er fehlte.

Mit klammen Fingern versuchte sie, ein Stück Zeitung weichzurubbeln, das zu Vierecken geschnitten an einem Fleischerhacken von der Wand des Örtchens hing. Hier endeten Tageszeitung und Paulinusblatt, die ihr Vater abonniert hatte. Im Sommer dehnte Magdalena die Sitzungen manchmal aus und las einen Abschnitt, bevor sie das Papier zum Abwischen benutzte. Heute nicht. Dafür war es viel zu kalt.

Endlich fertig. Im Winter ging sie nie den Weg zurück durch die Küche, auf dem sie gekommen war. Da zog sie die Strecke über den Stall vor, den sie schneller erreichte und der wärmer war. Rasch umrundete sie den Misthaufen und schlüpfte in das dahinterliegenden Gebäude. Trotz des strengen Geruchs fühlte sie sich wohl bei den Tieren.

Adam, der ältere, und Nikolas, der junge Knecht, nickten ihr zu und führten die Pferde an ihr vorbei zur Tränke beim Dorfbrunnen. Die beiden Wallache, große schwere Tiere, begrüßten sie schnaubend. Bella, Magdalenas sanfte Lieblingskuh, hob den Kopf und musterte sie aus ihren großen braunen Augen, vielleicht drückte sie das Euter.

„Mama oder Berta kommen bald, um dich zu melken. Jetzt haben sie leider keine Zeit.“ Vom Stall ging Magdalena in einen kleinen Raum mit einem riesigen Kessel im Eck, den Berta und sie jeden Tag, den Gott werden ließ, mit Kartoffeln für die Schweine füllen mussten. Im gemauerten Unterbau heizten sie ein, obenauf kam der Topf, den Magdalena mit ihren Armen nicht umfassen konnte, solch einen Durchmesser hatte er und...

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