Buchtipp von Edgar Schuster

Regina Porters Roman „Die Reisenden“ ist wie eine Foto-Collage, die aus unendlich vielen einzelnen kleinen Fotos ein großes Foto gestaltet, das man komplett erkennen kann, wenn man es von weitem betrachtet.

Die vielen kleinen „Fotos“ sind zwei Familien zuzuordnen, einer weißen und einer afroamerikanischen.

Man schaut mal hier die kleinen „Fotos“ an, mal dort. Mal ist ein „Foto“ in Farbe, mal schwarz-weiß oder eine Kreidezeichnung. Und je mehr man sieht, je weiter man zurücktritt, umso klarer wird das Gesamtbild dieser Familiengeschichten.

Es ist die Zeit der1950er Jahre bis zu den 2010er; es spielt in den USA und in Vietnam, aber einige „Fotos“ sind auch in Berlin entstanden, wohin es die lesbische, schwarze Eloise verschlägt und sie die schönsten Jahre ihres Lebens verlebt.

Es spielt im tiefen Süden der USA, wo 1983 die neureiche Familie Camphor nicht möchte, dass ihr Sohn Hank mit den Kindern aus der Nachbarvilla, den Applewoods, spielen, obwohl diese ihnen wohl intellektuell überlegen ist, aber eben schwarz. Es spielt in den 70ern auf dem Meer vor dem Kriegsschauplatz Vietnam, wo eines Nachts die Freunde Eddie (Christie) und Jeb(ediah Applewood) den rassistischen Hauptbootsmann ins Meer kippen.

Und es spielt heute, wo beide Familien einen Berührungspunkt haben in Person der schwarzen Shakespeare-Forscherin Claudia Christie und des weißen Joyce-Forschers Rufus Vincent, die ziemlich glücklich verheiratet sind, bis Rufus’ Vater James, „der alte weiße Mann“, nicht gut genug auf seine badende Enkelin aufpasst.

Die einzelnen kurzen Geschichten springen in der Zeit (die wird den Kapiteln vorangestellt) und ebenso wechseln die Erzählperspektiven und die stilistischen Mittel, aber, wie gesagt, je mehr „Fotos“ wir betrachten, desto mehr erkennt man wir das Gesamtbild.


Bibliographie
Tipp
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Die Reisenden
Regina Porter
Die Reisenden
Roman
EAN: 978-3-10-397395-2
Zwei Familien, zwei Hautfarben und die gemeinsame Sehnsucht nach Versöhnung: Von den Bürgerrechtsbewegungen bis zur Obama-Ära spannt Regina Porter ein schillerndes Zeitpanorama und verdichtet die Geschichte zweier Familien - die eine weiß, die andere schwarz - zu einem intimen und gegenwärtigen Familienepos.Anfang der Sechziger weht Hoffnung durch das Land. Martin Luther King marschiert auf Washington, Amerika hat einen Traum. Der junge James will seine ärmliche irische Herkunft hinter sich lassen und träumt von einer strahlenden Zukunft als Anwalt. Nur wenig später wird die junge, schöne Afroamerikanerin Agnes auf der Heimfahrt von ihrem ersten Date von einem weißen Polizisten angehalten. Schreckliche Momente folgen. Agnes zweifelt, ob sie überhaupt eine Zukunft hat. Beide ahnen nicht, auf welch unerwarteten Wegen die Geschichte der nächsten Jahrzehnte sie und ihre Familien zusammenführen wird.Eine scharfsinnige Erkundung des heutigen Amerikas und der Traumata von Rassismus und Ungleichheit, die nach wie vor unsere Welt bewegen - erzählt von einer neuen aufregenden Stimme der Weltliteratur.'Wenn Sie sich wünschten, Raymond Carver würde noch leben und hätte einen neuen Roman geschrieben, dann halten Sie ihn in Händen.' New York Times'Dieser funkelnde welt- und zeitumspannende Debütroman ist pures Glück. Porter ist eine verteufelt scharfsinnige Chronistin menschlicher Schwächen. In ihren Händen fühlen sich die erzählten Episoden wie das Leben selbst an.' Guardian'Nur die großherzigsten und scharfsichtigsten Schriftsteller vollbringen solch ein Werk.' Paul Harding, Pulitzer-Preisträger

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