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St. Pauli Nacht

und Rentner in Rot - Hamburger Abendblatt krimibibliothek 8

Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783939716884
Sprache: Deutsch
Umfang: 178 S.
Format (T/L/B): 1.8 x 21 x 13 cm
Einband: gebundenes Buch

Beschreibung

Es sind ganz gewöhnliche menschliche Schicksale, die in dieser einen Nacht auf St. Pauli zusammentreffen. Zufällig, ungewollt, folgenreich. Da ist Johnny, ein Kleinkrimineller, der nur noch wenige Stunden zu leben hat, auch wenn er es nicht wahrhaben will. Dann ist da Rainer, der Friese, der auf schwitzende Körper steht, sich in die Joggerin Yvonne verknallt, aber Pech mit Â"BulliÂ", einem Mastino, hat. Rasta Roby ist Taxifahrer und hört viel, manchmal zu viel. Ein Geschäftsmann von auswärts schiebt Frust und will ihn auf dem Kiez entsorgen. Ein Lude will sich nichts anhängen lassen, was ihm mehr Probleme einbringt, als er je hatte. Und ein Transvestit glaubt, gar keine Probleme mehr zu haben. Auch das ist ein Irrtum in diesen Stunden zwischen Mitternacht und Morgengrauen, in denen zudem eine alte Liebe endet und eine neue beginnt. Alles kommt zusammen in einer einzigen Nacht voller Lust und Leid, voller Liebe und Tod. Und mittendrin Kriminalhauptkommissar Jörg Fedder.

Leseprobe

Mindestens in diesem Falle ist das Englische viel treffender als das Deutsche: Â"Hardboiled NovelÂ" klingt einfach anders als Â"Abgebrühte GeschichteÂ". Und auch wenn man Â"abgebrühtÂ" durch Â"hartgesottenÂ" ersetzen kann: Besser wird¿s nicht. Hardboiled, das bedeutet schnell, schnoddrig, unsentimental, fatalistisch. Frank Göhres Â"St. Pauli NachtÂ" ist genau das, ein unfroher Blick ins Nachtleben der großen Stadt. Es ist diese eine Nacht und könnte auch eine andere sein, wäre da nicht die Begebenheit, die im Zentrum des dramatischen, aber nie nach Luft schnappenden Episodenromans steht: Dort wankt ein nackter Mann vors Docks und fuchtelt mit einer Pistole herum. Er erschießt einen der Typen, die zum Kiez gehören, sonst gäbe es diesen gar nicht: Jener Johnny ist stolz darauf, noch nie Miete gezahlt zu haben, er hat Knasterfahrung, eine Stammkneipe und Nutten - und er wird von einem Betrunkenen niedergestreckt, in dessen Genitalbereich sich, tatsächlich, ein Hund festgebissen hat. Man darf das verraten, denn ein Krimi nach dem Â"Who-dunnit? Â"-Prinzip ist Â"St. Pauli NachtÂ", 1993 erschienen und 1999 von Sönke Wortmann verfilmt, nicht. Es gibt keinen Täter und auch kein Opfer, es gibt nur die Schicksale der auf St. Pauli in einer lauen Mainacht Gestrandeten. Aber es sind nicht nur Figuren aus der Halbwelt, die hier unterwegs sind, sondern zufällig zusammentreffende Menschen. Menschen, die Postbote sind oder Werbefrau, Altonaer oder Schanzenbewohner. Eine dieser Figuren ist der Polizeibeamte Jörg Fedder, der, nachdem sich schon allerlei kleinere und größere Dramen ereignet haben - ein Haus brennt ab, ein Ehepaar streitet, eine Wohnung wird ausgeraubt, eine Freundschaft endet - , auf den Plan tritt. Aber dieser Fedder ist nicht der ruhende Pol, die Geschichte, die aus lauter Geschichten besteht, zieht an ihm vorüber und nimmt ihn auf. Dieser Fedder ist auch nicht glücklich, er betrinkt sich, denn sein Leben ist mit anderen verquickt. Seine Freundin versetzt ihn, und sie hat gute oder schlechte Gründe dafür, kommt ganz auf die Perspektive an. Das tut es immer. Den philosophischen Unterbau liefert Schopenhauer, der der Zufälligkeit der Ereignisse die Schrift Â"Über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des EinzelnenÂ" gewidmet hat. In ihr führt er aus, dass Â"das Schicksal des Einen zum Schicksal des Andern passt, und jeder Held seines eigenen, zugleich aber auch Figurand im fremden Drama istÂ". So kann man auch schreiben, besser klingen aber Sätze Frank Göhres wie zum Beispiel diese: Â"Ihre verschmutzten Jeans saßen eng und ließen einen flachen Bauch mit gepierctem Nabel frei. Unter ihrem locker fallenden und am Ausschnitt eingerissenen Top zeichneten sich straff e Brüste ab.Â"

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