Buchtipp von Edgar Schuster

Ich habe gerade wieder ein tolles Buch aus dem Diogenes Verlag gelesen, von dem die Literaturnobelpreisträgerin Swetlana Alexandrowna Alexijewitsch sagt: "Wenn Sie wissen wollen, was das moderne, junge Russland denkt, lesen Sie Filipenko."

Minsk in Weißrussland, heute. Ein junger Mann zieht in eine neue Wohnung und stellt gleich am ersten Abend fest, dass jemand ein rotes Kreuz an seine Tür gemalt hat. Noch während er laut darüber schimpft spricht ihn die Verursacherin darauf an. Tatjana Alexejewna ist über neunzig und leidet unter fortschreitender Demenz. Das rote Kreuz soll ihr sagen, dass dies nicht ihre Wohnung ist. Und dann erzählt sie, denn sie will noch erzählen, bevor sie auch ihr früheres Leben an die Krankheit verliert. Und es ist ein Leben, dass die ganze Tragik der russischen Geschichte des 20. Jahrhunderts widerspiegelt. Tatjana Alexejewna wurde in London geboren, doch ihr weitgereister Vater trat schon bald nach der Revolution in den Dienst der Sowjetmacht und auch sie fängt später als Übersetzerin fremdsprachigen Depeschen an für die Regierung zu arbeiten. Eines Tages stößt sie auf den Namen ihres Mannes auf einer Kriegsgefangenen-Liste des Roten Kreuzes und das Schicksal nimmt seinen Lauf.  Doch auch der Junge Mann hat schon schweres Leid ertragen müssen und ganz langsam öffnet er sich der alten Dame und es entsteht so etwas wie eine Freundschaft.

Rote Kreuze ist ein Buch, das man am liebsten in einem Zug durchlesen möchte. Und wenn man es gelesen hat, kann man auch verstehen, warum die Weißrussische Führung das Buch nicht gerne sieht.

Mit Gewinnspiel!
https://www.diogenes.ch/microsites/filipenko/rote-kreuze.html

Filipenko, Sasha
Diogenes Verlag AG
ISBN/EAN: 9783257071245
22,00 € (inkl. MwSt.)