Buchtipp von Edgar Schuster

Vox ist eine Dystopie einer ganz nahen Zukunft. die mir aber dort wo sie spielt - in den USA - derzeit keine Unwahrscheinlichkeit ist.

 

Jean McClellan, eine erfolgreiche Neurolinguistin, darf – wie alle Frauen in den USA – nicht mehr arbeiten und – wie alle Frauen in den USA – nicht mehr als 100 Wörter am Tag sprechen.

 

Seit wenigen Jahren regiert ein populistischer Präsident das Land, der mit Hilfe eines charismatischen, fundamentalistischen Fernsehpredigers an die Macht kam. Seine „Bewegung der Reinen“ forderte nach der Wahl ihren Lohn für die Unterstützung. Nach deren Bibelverständnis hat die Frau NUR im Haushalt zu arbeiten und dem Manne zu dienen. Außerdem hat sie auch weitgehend zu schweigen. Durch geschickte Auslegung der Amerikanischen Verfassung und Ersetzen der obersten Richter durch „gottgefällige“ Männer wurden die Gesetze der USA dementsprechend geändert.

Flucht ist kaum möglich, da Frauen und Mädchen keine Pässe zur Verfügung stehen und die Grenze nach Kanada technisch gesichert und die nach Mexiko sowieso durch eine hohe Mauer unüberwindbar ist.

Im zweiten Teil entwickelt sich der Roman zu einem regelrechten Thriller, denn Jean McClellan soll mit ihren früheren Kolleg*innen ein Medikament fertigstellen, dass dem Bruder des Präsidenten heilen soll, der nach einem Schlaganfall an just der Aphasie (Sprachstörung) leidet zu der sie mit großem Erfolg forschte, jedoch die Zeit nicht mehr hatte, das heilende Medikament „zusammenzubauen“. Oder geht es doch um etwas anderes?

 

Vox hat mich beim Lesen sehr erschüttert, denn so wie es in der ersten Hälfte geschildert wird, KÖNNTE es wirklich jederzeit in den USA so weit kommen. Und die Argumente der „Reinen“ hört oder liest man immer wieder in Berichten über die derzeit wieder erstarkenden fundamentalistischen Christen in den USA.

Dalcher, Christina
Fischer, S. Verlag GmbH
ISBN/EAN: 9783103974072
20,00 €
Kategorie:
Belletristik