Buchtipp von Edgar Schuster

  Seit ich mit 12 oder 13 Jahren alle Winnetou, Old Shatterhand, Old Surehand etc. -Bücher von Karl May verschlungen hatte, habe ich wohl keinen Western mehr gelesen. Jetzt hat mir die Vertreterin des Steidl-Verlags einen Western ans Herz gelegt und mir ein Vorabexemplar zur Verfügung gestellt, das ich – mit etwas Skepsis – mit in meinen Wanderurlaub genommen hatte: Sebastian Barry: Tage ohne Ende. Und es ist Super!

  Der Ich-Erzähler Thomas McNulty hat während der Hungerkatastrophe in Irland sein Heil in den Staaten Nordamerikas gesucht aber nicht gefunden. Eines Tages, er ist erst 16, trifft er während eines Unwetters in Missouri unter einem Busch auf den 13-jährigen John Cole, der seine Familie verlassen musste, als deren Farm in Neuengland nichts mehr hergab. Beide freunden sich sofort an und setzen ihren Weg gemeinsam fort. In einer neugegründeten Bergarbeiterstadt im damaligen Grenzland sucht ein Saloon „Saubere Jungs“. Verdreckt, hungrig und abgerissen wie sie sind, stellen sie sich vor und bekommen den Job: in Frauenkleidern abends mit den Bergarbeiter tanzen, da zu der Zeit weit und breit keine Frau zu finden ist. Nach zwei Jahren wachsen sie aber (körperlich) aus der Rolle heraus und ziehen weiter. Die Armee sucht zu der Zeit ständig Leute, um die Indianer im Zaum zu halten oder gegebenenfalls auch zu vertreiben. Sie bewerben sich und bleiben auch etliche Jahre dabei.

  Was jetzt folgt ist einfach toll. Ein brutaler und dabei grandios lyrischer Western, der von der Schönheit der nordamerikanischen Landschaften und dem brutalen Auslöschen von Indianerdörfern erzählt. Der von verflucht langen Gewaltmärschen durch unvorstellbar endlose Prärie und vom gnadenlosen Abschlachten der gefangengenommenen schwarzen Soldaten der Unionsarmeen durch die „Rebellen“ der Südstaaten im Bürgerkrieg erzählt. Und doch gibt es immer wieder Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die den Erzähler am Leben hält.

  Barry erzählt das alles in einer Sprache, die Staunen lässt. Der Ich-Erzähler hat nur 'ne kurze Schulzeit gehabt und schreibt, wie er redet. Man staunt mit ihm über die Schönheiten der Landschaften für die er nicht ausreichend Worte zur Verfügung hat, wundert sich, wie er das Mondlicht während einer furchtbaren Schlacht beschreibt und lernt auch das Fluchen der Soldaten lieben.

  Der irische Autor stand bereits mehrfach auf der Shortlist für den Booker Preis und erhielt für dieses Buch und bereits ein Jahr vorher für „Ein verborgenes Leben“ den renommierten Costa Book of the Year Award.

Barry, Sebastian
Steidl Verlag
ISBN/EAN: 9783958295186
22,00 €
Kategorie:
Belletristik